Was Speck vom Schinken trennt

Was Speck vom Schinken trennt

Wer in Deutschland Speck sagt, meint meist den fetten Streifen vom Bauch. In Südtirol meint Speck etwas anderes, und genau da beginnt die Verwechslung mit dem Schinken.

Nördlich der AlpenSpeck ist das Fett unter der Schwarte.
In SüdtirolSpeck ist die ganze gepökelte Keule.

Ein Wort, zwei Bedeutungen

Speck kommt vom althochdeutschen Wort für Dickes, Fettes. In Südtiroler Dokumenten taucht der Begriff ab dem 13. Jahrhundert auf. Gemeint war damals weniger ein bestimmtes Teilstück als das Haltbargemachte vom Schwein überhaupt: eingesalzen, geräuchert, aufgehängt und über den Winter gebracht. Aus diesem einen Wort haben sich nördlich und südlich der Alpen zwei Bedeutungen entwickelt, die sich bis heute im Weg stehen.

Speck nördlich der Alpen

In Deutschland ist Speck das Fettgewebe direkt unter der Schwarte. Bauchspeck ist durchwachsen, Rückenspeck besteht fast nur aus Fett, grüner Speck ist weder gepökelt noch geräuchert. Schinken dagegen kommt aus der Keule, dem mageren Hinterbein des Schweins. Zwei Teile des Tiers, zwei Aufgaben in der Küche: Der eine gibt Fett und Würze an Knödel und Krautgerichte ab, der andere kommt in Scheiben aufs Brot.

Speck in Südtirol

Südtiroler Speck g.g.A. wird aus der Schweinekeule gemacht, also aus demselben Stück wie Schinken. Die Keule wird ausgelöst, das heißt entbeint, und flach zugeschnitten. Dieses Stück heißt Hamme.

Streng genommen ist Südtiroler Speck damit ein Rohschinken mit Fettrand.

Der Name stammt aus einer Zeit, in der das Fett am Stück das Wertvolle war, weil es Energie für die Arbeit auf dem Hof lieferte. Das Fleisch darunter war mager und blieb es. Verwendet werden auch heute nur magere, vollfleischige Keulen.

Ein Stück durchwachsener Bauchspeck mit Schwarte auf einem hellen Holzbrett Flache Hamme Südtiroler Speck mit Fettrand und dunkler Schwarte von oben auf einem Holzbrett

Links Bauchspeck, rechts die Hamme. Ein Wort, zwei Dinge.

Was den Unterschied ausmacht

Nördlich der Alpen wird Schinken geräuchert, südlich wird er luftgetrocknet. Die beiden bekanntesten Vertreter zeigen das deutlich.

Schwarzwälder Schinken wird über Tannenreisig und Tannenholz geräuchert. Daher die schwarzbraune Schwarte und der kräftige Rauchgeschmack. Er reift mindestens drei Monate und ist seit 1997 als g.g.A. geschützt.

Rohschinken am Knochen hängen an Holzstangen in einer Reifekammer mit Fenster zu den Bergen
Reifen am Knochen, wie bei Parmaschinken. Nachgestellte Szene.

Prosciutto di Parma kennt keinen Rauch. Er wird nur mit Meersalz eingerieben, reift am Knochen und braucht dafür seit 2023 mindestens 14 Monate. Das Ergebnis ist mild und leicht süßlich.

Südtiroler Speck macht beides. Die Hamme wird rund drei Wochen mit Salz, Pfeffer, Wacholder und Lorbeer gepökelt. Danach wird sie kalt geräuchert, unter 20 Grad und über harzarmem Buchenholz, immer im Wechsel mit Lufttrocknung. Dann hängt sie mindestens 22 Wochen in gut belüfteten Räumen und verliert dabei ein Drittel ihres Gewichts. Am Ende darf der Salzgehalt nicht über fünf Prozent liegen. Das Konsortium fasst das Verfahren in einem Satz zusammen: wenig Salz, wenig Rauch und viel frische Bergluft.

5 %

Salz höchstens. Mehr erlaubt das Konsortium im fertigen Südtiroler Speck g.g.A. nicht.

Nördlich der Alpen

Schwarzwälder Schinken

Rauch

Tannenholz, kräftig

Salz

Trocken gepökelt

Knochen

Ohne

Reife

Mindestens 3 Monate

Südlich der Alpen

Prosciutto di Parma

Rauch

Keiner

Salz

Nur Meersalz

Knochen

Reift am Knochen

Reife

Mindestens 14 Monate

Mitten in den Alpen

Südtiroler Speck g.g.A.

Rauch

Buche, kalt, unter 20 Grad

Salz

Höchstens 5 Prozent

Knochen

Ohne, flach als Hamme

Reife

Mindestens 22 Wochen

Woran du Speck erkennst

Auf dem Teller ist der Unterschied zum Schinken leicht zu sehen. Eine Scheibe Südtiroler Speck hat eine Fettkante, dunkelrotes mageres Fleisch und einen milden Rauchton mit Wacholder. Parmaschinken ist heller, zarter und ohne Rauch. Schwarzwälder Schinken ist dunkler, würziger und deutlich rauchiger.

Drei Häufchen dünn geschnittener Rohschinken auf hellem Stein: dunkler Schwarzwälder Schinken, blassrosa Parmaschinken und dunkelroter Südtiroler Speck mit Fettkante
Von links: Schwarzwälder Schinken, Parmaschinken, Südtiroler Speck.

Beim Kauf hilft das Siegel. Jede Hamme wird von unabhängigen Prüfern kontrolliert. Nur was besteht, darf das Zeichen Südtiroler Speck g.g.A. tragen.

Fünf Prüfpunkte

Fleischqualität Reifezeit Salzgehalt Konsistenz Geschmack

Seit 1996

Geschützt ist die Bezeichnung Südtiroler Speck g.g.A. seit 1996. In diesem Jahr seit 30 Jahren.

Was Opa Franz davon hielt

Opa Franz hat seinen Speck noch selbst gemacht und am Geschmack erkannt, ob ein Stück lange genug gehangen hatte. Ob das nun Speck oder Schinken heißt, war ihm vermutlich egal.

Nach seinem Maßstab wählen wir unseren Speck bis heute aus.